Sehr spät nachts wacht Amaalia noch einmal auf. Sie hatte unruhig geschlafen und war sogleich hellwach. Egal, wie sie sich auch drehte und wendete, der Schlaf wollte nicht zurückkehren. Auf dem Rücken liegend überlegte sie, ob sie nicht zu Hannes gehen soll. Nach etwas Hin und Her stand sie auf, zog sich etwas über und ging zu Hannes Kammer. Sachte klopfte sie an die Tür. Als keine Antwort kam machte sie auf und blickte hinein. Doch Hannes war gar nicht hier. Das Bett war unberührt. Amaalia lächelte und dachte sich, dass Hannes wohl in einem Wirtshaus hängen geblieben ist. Sie beschloss kurzerhand sich anzuziehen und zu Hannes zu gehen, um noch einen kleinen Mitternachttrunk mit ihm zu trinken.Die Nacht war angenehm warm und unterwegs traf Amaalia ein paar feuchtfröhliche und singende Leute, die wohl auf der Hochzeitsfeier waren, die heute stattgefunden haben musste.
Als sie vor dem Wirtshaus angelangt war hoerte sie fröhliches Lachen und Gesang. Gut gelaunt betrat sie die Stube. Hannes begruesste sie sogleich auf die übliche Art. Doch im gleichen Atemzug gestand er ihr, er sei völlig betrunken. Die Damen im Wirtshaus hätten ihm ein Bier nach dem anderen hingestellt. Und weil Hannes ja kein Spielverderber ist hat er brav ausgetrunken. Amaalia seufzte. Doch Hannes war froh Amaalia hier zu wissen. So konnte sie ihn sicher nach Hause begleiten.
Gemeinsam tranken sie noch ein Bier und als das Wirtshaus sich langsam und voellig leerte -man möchte fast glauben, wegen Hannes schiefen Gesang- machten auch sie sich auf den Weg zurück ins Nest. Amaalia hatte alle Hände voll zu tun, Hannes auf dem Weg zu halten "Wie viele Humpen waren das denn?" zischte sie. Hannes Antwortete nicht. Stattdessen sang er voller Inbrunst ein ihr unbekanntes Lied. Endlich am Nest angekommen half Amaalia Hannes die Treppe hochzukommen. Bei jedem Knarren der Holzstufen kniff sie die Augen fest zusammen und hoffte, Gunde und Teo würden von dem Lärm nicht aufwachen. Dazu kam, dass auch Hannes nciht der Sinn nach Ruhe stand und er reichlich Krach machte. Als Amaalia ihn endlich in die Kammer und schließlich in sein Bett geschafft hatte zog sie ihm lediglich die Schuhe aus. Sie wollte ihm noch einen Kuss auf die Stirn geben und wieder in ihr Bett verschwinden. Mittlerweile war sie hundemüde. Doch da hielt Hannes sie an der Hand und lallte fast schon schlafend "Bleib lieber hier. Ich glaub, ich fall sonst aus dem Bett". Amaalia seufzte und sagte "Nun gut. Aber nur eine Weile, bis du eingeschlafen bist" Zufriedenes Grunzen von Hannes, der sie in seine Arme schloss.
Sanfte Sonnenstrahlen, die durch das Fenster blitzten kitzelten Amaalia an der Nase und sie wachte langsam auf. Sie Kuschelte sich in Hannes Arme und fühlte sich wohlig warm.
Doch-Stop! Da stimmt was nicht!
Amaalia wagte sich nicht zu rühren vor Schreck. Hatte sie etwa die Nacht bei Hannes verbracht? Sie schaut ihn an, doch der schnarchte leise vor sich hin. Sie erinnerte sich an das Gespraech mit Gunde, welches sie kürzlich im Wirtshaus führten. Es hieß, vom Küssen würde man nicht schwanger werden. Die Bilder eines wohlbekannten Buches aus Teos Bibliothek kamen ihr in den Sinn und sie schaute erschrocken und kurzentschlossen unter die Decke. "Gott sei Dank!" Entwich es ihr. Sie war immer noch voll bekleidet. Ein Stein fiel ihr vom Herzen und sie atmete tief durch. Langsam entspannte sich Amaalia wieder und sie träumte mit offenen Augen und in Hannes Armen liegend vor sich hin.