Auch diese Nacht hat Amaalia sehr unruhig geschlafen. Angst und schlechte Träume quälten sie und sie wachte mehrmals auf, nur um sich dann mühsam wieder in den Schlaf zu quälen. Als der Tag endlich hereinbrach stand sie auf, um das kleine Zimmer, welches sie vorrübergehend in München gemietet hat zu lüften und das Chaos ein wenig zu beseitigen. Sie hatte es langsam satt, aus dem Rucksack zu leben. Gestern schon hätte sie beinahe den letzten Schritt getan und wäre offiziell nach München umgezogen. Ein hübsches Gemüsefeld hatte sie auf dem Bodenmarkt entdeckt. Doch Amaalia zögerte. Ohne Hannes wollte sie dies nicht tun. Sie waren gemeinsam auf Reisen gegangen, um gemeinsam ein neues Leben zu beginnen. Wie also sollte sie das nun alleine machen?
In Gedanken versunken bemerkte sie die Taube kaum, die am Fensterbrett sass und auffordernd das Füsschen reckte. Als sie anfing zu gurren sah Amaalia auf, ging ans Fenster und entnahm dem Täubchen einen kleinen Zettel. Hastig entfaltete sie es und las mit klopfendem Herzen die wenigen Zeilen. Sie erkannte sofort Hannes Schrift. Als sie geendet hatte fiel ihr ein Stein vom Herzen. Sie solle sich keine Sorgen machen, er sei unterwegs und so bald es ihm möglich war wäre er da. Dann machte er noch Andeutungen, Amaalia solle sich bereit halten und vorerst einmal nicht arbeiten... Was immer das zu bedeuten hatt... Sie würde sich dran halten und erst einmal abwarten, was Hannes geplant hatte.
Dann legte Amaalia das Zettelchen sorgfältig in den Rucksack und gab dem Täubchen ein paar Kekskrümel. Als es alles aufgepickt hatte und davonflog schloß Amaalia das Fenster wieder und setzte sich auf das Bett. Sie musste lächeln über sich und Hannes. Als sehr gute Freunde waren sie losgezogen und gingen durch dick und dünn. Doch so langsam bandelte sich etwas an, regten sich leise Gefühle. Ob Hannes wohl genau so fühlte? Schnell schüttelte sie den Gedanken wieder ab und scholt sich sogleich als törrichtes Ding.
Er soll einfach nur gesund hier ankommen, das war alles, was sie für den Moment wünschte.
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